Aus dem Tagebuch einer Reisenden.

Leben

Ich hätte nie gedacht, dass die längste Reise meines Lebens nach innen führen würde.

Als ich mich auf den Weg machte, glaubte ich noch, Antworten zu finden.
Klarheit. Heilung vielleicht. Und einen Ort in mir, an dem endlich Ruhe einkehrt.

Und es ist auch nicht so, dass ich diese Dinge nicht auch gefunden habe.

Und doch glaube ich heute, dass diese Reise (auch) etwas anderes ist.

Sie ist kein Weg von A nach B.

Sie ist ein Erinnern.

Ein Erinnern daran, wer ich bin.
Unter all den Vorstellungen darüber, wer ich sein sollte.

Auf dieser Reise gibt es keine Landkarten. Keine Garantien. Keine Abkürzungen.

Es gibt Tage voller Leichtigkeit.
Tage, an denen sich etwas fügt. An denen ich meine ganze Lebendigkeit, meine Energie spüre – das Leben in Freude durch mich hindurchfließt.

Und dann gibt es andere Tage.

Tage, an denen ich inneren Landschaften begegne, die ich lieber umgehen würde.

Ängsten.

Zweifeln.

Scham.

Ohnmacht.

Gefühlen, die sich nicht dafür interessieren, ob ich sie gerade haben möchte.
Gefühle, die mich in die Knie zwingen und zu Orten auf meiner Reise werden, die sich wie Abstürze in dunkle Löcher anspüren.

Wer will an solchen Orten schon sein?
Früher habe ich regelmäßig die Flucht ergriffen: Ablenkung.

Zudem habe ich geglaubt, diese Orte seien Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Dass ich es einfach noch nicht kapiert habe, nicht hinbekomme.

Heute ahne ich, dass sie vielleicht einfach zur Reise gehören.
Dass nicht jede Höhle auf meinem Weg vermieden werden muss.

Dass nicht hinter jeder dunklen Wegbiegung eine Gefahr wartet.
Manchmal wartet dort einfach ein Teil von mir, der lange ungesehen geblieben ist. Und Tränen die endlich geweint werden wollen.

Und so lerne ich etwas, das mir noch immer nicht leichtfällt:

Zu bleiben.

Zu lauschen.

Zu fühlen.

Nicht jedes Gefühl sofort verändern zu wollen.

Nicht jede Unsicherheit auflösen zu müssen.

Nicht jede Dunkelheit zu bekämpfen.

Je länger ich unterwegs bin, desto weniger interessiert mich die Frage, wann ich ankomme.

Und desto mehr berührt mich die Frage, wie ich reise.

Ob ich mir selbst auf diesem Weg eine gute Begleiterin bin.
Ob ich auch dann freundlich mit mir bleibe, wenn ich mich verirrt fühle.
Ob ich den Mut habe, mir immer wieder neu zu begegnen.

Vielleicht ist das die eigentliche Reise.

Nicht jemand anderes zu werden.

Sondern Schicht für Schicht freizulegen, wer längst da ist.

Und zu lieben, was mir begegnet.

Heute bin ich unterwegs.

Mehr weiß ich nicht.

Und für diesen Moment ist das genug.

Mit Liebe,
Daniela 🧡